Terhi Dostal, Pianistin
Die finnische Pianistin Terhi Dostal (geb. Jääskeläinen) gab ihr internationales Debüt als Solistin mit dem Mariinski-Orchester St. Petersburg unter Valery Gergiev. Es folgten Konzerte mit Orchestern wie dem Finnischen Radio-Sinfonieorchester, dem BBC Scottish Symphony Orchestra, dem Helsingborg Symphony Orchestra und Sinfonia Lahti sowie Auftritte in zahlreichen europäischen Ländern und den USA.
Terhi Dostal studierte Klavier (Konzertfach und Pädagogik) an der Sibelius-Akademie der Universität der Künste Helsinki und erhielt dort den Magistertitel (Master of Music) im November 2001. Dostal absolvierte ihr zweites Solistendiplom an der Klavierakademie von Imola, Italien 2005. Sie wurde 2010 in der Sibelius-Akademie promoviert. Ihre wichtigsten Lehrer waren Prof. Erik T. Tawaststjerna, Prof. Matti Raekallio, Boris Petrushansky und Prof. Noel Flores. Wichtige künstlerische Einflüsse erhielt sie zudem durch Meisterkurse, insbesondere bei Murray Perahia, Dmitri Bashkirov und Prof. Karl-Heinz Kämmerling.
Terhi Dostal war von 2004 bis 2007 als Universitätsassistentin in der Doktoratsabteilung der Sibelius-Akademie der Universität der Künste Helsinki tätig. In dieser Funktion war sie in künstlerische Arbeit und wissenschaftliche Forschung eingebunden und übernahm Lehr- und Beratungstätigkeiten für Studierende. Zudem wirkte sie an der Entwicklung und Planung der universitären Lehre sowie an der Organisation von Studienseminaren und Prüfungskonzerten mit und war Mitglied des künstlerischen Komitees der Sibelius-Akademie.
Von 2018 bis 2019 war sie als künstlerische Gastforscherin an der Sibelius-Akademie tätig und forschte zu finnischer Klaviermusik des 20. Jahrhunderts, insbesondere zu Ilmari Hannikainen. Seit 2022 ist Terhi Dostal regelmäßig als Gutachterin für künstlerische Doktorprüfungen an der Sibelius-Akademie tätig, wo sie sowohl künstlerische als auch schriftliche Leistungen beurteilt. Darüber hinaus unterrichtet sie eine private Klavierklasse und gibt regelmäßig Meisterkurse; ihre Studierenden wurden bei Klavierwettbewerben ausgezeichnet.
Während ihrer künstlerischen Karriere erhielt Terhi Dostal viele Preise und Stipendien. Schon als Jugendliche gewann sie den 1. Preis beim nationalen „Fazer“ Klavierwettbewerb in Helsinki, Finnland. Weiterhin war sie Finalistin und Preisträgerin beim Scottish International Piano Competition und beim Kil International Piano Competition in Schweden. Sie gewann den Solistenwettbewerb des Helsingborg Symphonieorchesters in Schweden und spielte Rachmaninovs 3. Klavierkonzert als Orchestersolistin. Für ihre künstlerische Arbeit als Pianistin erhielt sie das 3-jährige Künstlerstipendium des Finnischen Kulturfonds (42.000 €). Sie erhielt zudem den „Pro Musica“-Preis in Finnland.
In ihrer bisherigen Laufbahn als Pianistin legte Terhi Dostal einen besonderen Schwerpunkt auf die Interpretation der Musik von Johannes Brahms. Sie führte dessen sämtliches Klavierwerk in Konzertreihen in Finnland, Deutschland und Österreich auf; zudem umfasst ihr Repertoire einen großen Teil seines kammermusikalischen Schaffens sowie zahlreiche Lieder. In ihrer Dissertation untersuchte sie die literarischen Vorlieben und Liedtexte des jungen Brahms. Ergänzend dazu trat sie mit Vorträgen und Vorlesungen zu seinem Werk hervor. Ihre Brahms-Interpretationen sind auf zwei CD-Einspielungen dokumentiert; weitere Konzertaufnahmen und Vorträge sind online verfügbar. 2013 verfasste sie zudem Drehbücher zu vier Dokumentarfilmen über Brahms.
Terhi Dostal hat zahlreiche Solo- und Kammermusikwerke finnischer Komponist:innen in Konzertsälen und für Rundfunkanstalten wie YLE, Bayerischer Rundfunk, NDR, Deutschlandfunk Kultur und rbb aufgenommen. Als Liedbegleiterin interpretierte sie finnische Musik des 20. Jahrhunderts und trat mit zeitgenössischem Repertoire u. a. beim Ultraschall Festival für neue Musik in Berlin auf. Ihre Interpretationen von Werken von Kaija Saariaho und Lauri Kilpiö entwickelte sie in enger künstlerischer Zusammenarbeit mit den Komponist:innen.
Im Laufe ihrer Karriere war Terhi Dostal an mehreren CD-Projekten beteiligt. Ihre erste Solo-CD enthielt Variationswerke von Johannes Brahms. Bei ihren nächsten Solo-CDs konzentrierte sie sich auf finnische Klaviermusik: Sibelius, Hannikainen, Helvi Leiviskä, Aarre Merikanto und andere. Die in Zusammenarbeit mit Deutschlandfunk Kultur und der Plattenfirma Hännsler Classic erschienene CD „Finnish Piano Works“ erhielt hervorragende Kritiken und wurde in mehreren Sendungen des Deutschlandfunks ausgestrahlt. Terhi Dostal hat außerdem CDs mit Kammermusik finnischer Komponisten und Brahms veröffentlicht. Ihre neueste CD (2024), ebenfalls eine Koproduktion mit dem Deutschlandfunk, enthält Lieder des finnischen Komponisten Ilmari Hannikainen.
Terhi Dostal ist als eine leidenschaftliche Kammermusikerin bekannt. Sie hat mit vielen bekannten Musikern Kammermusik gespielt, u. a. mit den Klarinettisten Nicolai Pfeffer, den Pianisten Prof. Severin von Eckardstein und Prof. Antti Siirala, dem Violinisten Prof. Mark Gothóni, den Violinistinnen Nina Karmon und Annemarie Åström, dem Violisten Prof. Peijun Xu und Prof. Hariolf Schlichtig, den Cellisten Prof. Niklas Eppinger, Prof. Wen-Sinn Yang und Sennu Laine. Als Kammermusikerin trat sie auch in vielen Festivals auf, u.a. beim Schleswig-Holstein Musik Festival, beim Kuhmo Chamber Music Festival, beim Turku Music Festival, bei Rauma Festivo, beim Mikkeli Music Festival, beim Festival „Nordischer Klang“ in Greifswald, beim „Musikalischen Salon Burg Schaubeck“ in Steinheim an der Murr sowie bei den Schlossfestspielen Ettlingen.
Neben ihrer Karriere als Pianistin war Dr. Terhi Dostal von 2007 bis 2008 auch als Kulturreferentin des Finnland-Instituts in Deutschland tätig. Hier sammelte sie umfassende Erfahrung in der Organisation von Kulturveranstaltungen, im Netzwerken mit Entscheidungsträgern des Kulturlebens und in der Leitung des Kulturprogramms des Instituts.
Terhi Dostal ist auch Komponistin und spielt oft ihre eigenen Werke in Konzerten. Sie hat eine Orchestermesse „Missa in honorem Beati Hemmingi Episcopi“, Musik für Soloharfe, Lieder, Orchestermusik sowie Klavier- und Kammermusikstücke komponiert.
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