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Jean Sibelius (1865–1957): Malinconia op. 20 für Violoncello und Klavier

Das Violoncello war ein wichtiges Instrument für Jean Sibelius, obwohl er es nie selbst spielte. Im Alter von sieben Jahren schrieb er sogar seine allererste Komposition Vattendroppar (dt. Wassertropfen) für Violine und Violoncello. Sibelius’ eigenes Instrument war die Geige, während sein Bruder Christian Cello spielte. Die Brüder übten zu Hause oft Klaviertrios zusammen mit ihrer Schwester Linda Sibelius als Pianistin. In Sibelius’ Schulzeit gründeten seine Freunde ein Orchester und hofften, dass Jean im Ensemble als Cellist auftreten würde. Der Plan der kulturbewussten Jungen wurde allerdings nie verwirklicht, da der junge Sibelius kein eigenes Cello hatte.

Schon als Schuljunge schrieb Sibelius viele Kammermusikwerke für Violoncello und andere Instrumente. Eine bereits recht wichtige Komposition war Thema und Variationen in d-Moll (1887) für Violoncello solo. Das im Geiste Bachs komponierte Virtuosenstück war die erste finnische Komposition für Solo-Cello überhaupt. Zu den späteren und wichtigsten Cellokompositionen Sibelius’ gehörten auch Cantique und Devotion für Violoncello und Orchester op. 77. Sibelius betrachtete diese kurzen, andächtigen Kompositionen als für Kirchenkonzerte geeignete Stücke.

Sibelius’ einzige Kammermusikkomposition mit der Opusnummer für Violoncello und Klavier ist Malinconia op. 20. Ursprünglich hatte er dieses Konzertstück „Fantasia“ genannt. Das Werk wurde von dem Ehepaar Georg und Sigrid Schnéevoigt 1900 in Helsinki uraufgeführt. Die düstere Komposition ist auch kritisiert worden: Der Sibelius-Forscher Erik Tawaststjerna schrieb, dass der Violoncellopart der Komposition ergiebig, aber nicht richtig originell sei. Sibelius versuchte, wahrscheinlich an die hervorragende Pianistin Sigrid Schnéevoigt denkend, sein Bestes zu tun, um auch für das Klavier eine virtuose Textur zu schreiben. Weil Klavier jedoch nicht Sibelius’ eigenes Instrument war, gerieten die Solokadenzen und Oktavpassagen des Klavierparts nicht allzu fantasiereich.

Obwohl die Komposition kein Virtuosenstück wurde, ist sie oft als berührende Trauermusik beschrieben worden, die die trostlosen Gefühle des Komponisten nach dem Tod der geliebten Tochter Kirsti reflektiert. Eine gute Aufführung des Stückes zeigt die beeindruckende Chromatik, den volltönenden Klang und die starken Melodien und bringt die späteren Orchesterwerke in Erinnerung.

© Terhi Dostal