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Einar Englund (1916–1999):

Sonate für Violine und Klavier (1979)

I Preambulum. Molto moderato, quasi andante.

II Intermezzo. Allegro giocoso.

III Elegie. Adagio.

IV Finale. Allegro moderato.

Der finnische Komponist Einar Englund – geboren auf Gotland/Schweden – studierte Klavier und Komposition an der Sibelius-Akademie in Helsinki. Einar Englunds Durchbruch als Komponist erfolgte mit dem Klavierquintett von 1941, das auch die Aufmerksamkeit des großen Meisters des Landes, Jean Sibelius, weckte. Englund wurde auch als ausgezeichneter Pianist bekannt, der später gern seine zwei feinen Klavierkonzerte als Orchestersolist spielte. Zudem improvisierte er hervorragend – diese Kunst lernte er wahrscheinlich, als er während des Zweiten Weltkriegs Unterhaltungsmusik spielen musste. Damals diente er in der finnischen Armee. In seinen Memoiren Sibeliuksen varjossa („Im Schatten von Sibelius“) betonte Englund, welch großen Einfluss die traumatischen Kriegserfahrungen auf seinen Kompositionsstil hatten. Einar Englund wirkte von 1957 bis 1981 als Professor für Komposition und Musiktheorie der Sibelius-Akademie.

Trotz des „Schattens von Sibelius“ war Englunds Musik in Finnland sehr erfolgreich. Er war ein Komponist, der am liebsten Instrumentalmusik schrieb und auf die absolute Musik, die frei von nicht-musikalischen Einflüssen und Vorgaben ist, schwor. Seine wichtigsten Orchesterwerke sind sechs Sinfonien und sieben Konzerte für Soloinstrumente und Orchester. Etliche seiner Werke haben eine wichtige Stellung im finnischen Konzertrepertoire des 20. Jahrhunderts inne und sind auch bei den Musikern äußerst beliebt. Der Grund des Erfolges liegt wohl zum Teil in Englunds Tonsprache, die auch in seinem späteren Schaffen nur maßvoll modern blieb – Englund verließ die Tonalität nie völlig – aber vor allem sind seine Kompositionen immer qualitativ hochwertig. Englunds motivtechnisches Können, Gefühle ansprechende Stimmungen, klare und starke Charaktere und Virtuosität gefallen auch dem Publikum. Sarkasmus und Melancholie vereinen sich in Englunds neoklassizistischer Musik auf eine Weise, die vor allem die großen russischen Meister der Sowjetzeit, Schostakowitsch und Prokofjew, in Erinnerung ruft.

Englund komponierte seine Sonate für Violine und Klavier 1979. Wie auch seine anderen sonatenförmigen Kompositionen lehnt sie sich fest an die klassizistische Tradition an. Laut Englund reflektiert sie die „Existenz eines zufriedenen Menschen“. Obwohl auch tragische Momente dabei sind, erreichen diese nie die klagende romantische Trauer, und die Atmosphäre bewahrt immer eine gewisse klassizistische Klarheit.

Der erste Satz, Preambulum, stellt die motivischen Elemente, die durch die ganze Komposition zu hören sind, vor. Die Stimmungen des ersten Satzes fließen von den geheimnisvollen Pizzicati des Anfangs durch eine lyrischere Passage einer marschartigen Allegro moderato-Kulmination inmitten des Satzes entgegen. In der Coda des ersten Satzes schwebt die Violine nach und nach erlöschend auf den Akkorden des Klaviers. Die optimistische, virtuose Stimmung des zweiten Satzes, Intermezzo, reißt den Zuhörer mit sich. Die lustigen Melodien und die schneidenden Hemiolen – rhythmische Akzentverschiebungen innerhalb des Dreier-Taktes – sind voll von zärtlicher Ironie.

Der dritte Satz, Elegie, bildet einen Kontrast zum fröhlichen Intermezzo. Mit kleinen Gesten vermittelt die Musik, die einem Wiegenlied ähnelt, eine traurige Atmosphäre. Dieser Satz wurde ursprünglich in Erinnerung an den verstorbenen Bruder Englunds komponiert. Das sinfonisch aufgebaute Finale bringt dann noch in ebenbürtigem Dialog der Instrumente die wichtigsten Motive des Werkes hervor. Das Stück endet mit einer Coda mit den Bezeichnungen „presto“ und „brillante“.

 

© Terhi Dostal 2009