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Armas Launis (1884–1959):

Klavierquartett g-Moll (1907)

Armas Launis war Komponist, Forscher und Sammler von Volksmusik, Musiklehrer und Journalist. Diese verschiedenen Lebensbereiche hatten aufeinander großen Einfluss. Vornehmlich ist er bekannt als Opernkomponist sowie Sammler von Volksliedern und samischen Gesängen. Launis’ am häufigsten aufgeführte Opern waren seine ersten Opern Die sieben Brüder (Seitsemän veljestä, 1913) und Kullervo (1917). Launis trat vom finnischen Musikleben zurück, als er 1930 nach Frankreich zog. Der Großteil seiner Opern wurde während seiner Lebenszeit gar nicht aufgeführt, manche blieben unvollendet. Die einzige auf Platte aufgenommene Oper war die in den 1920er-Jahren fertiggestellte Aslak Hetta. Auch viele seiner kleineren Werke blieben im Archiv, wie zum Beispiel das Klavierquartett g-Moll.

Die genaue Entstehungszeit des Klavierquartetts von Armas Launis ist unbekannt, aber vermutlich stammt es aus dem Jahre 1907. Damals mussten die Kompositionsstudenten, die schon weit im Studium waren, ein großes Klavier-Kammermusikstück komponieren. Die Komposition wurde nicht veröffentlicht, weshalb das NIX-Quartett sie heute aus dem Manuskript spielt. Es ist unsicher, ob die Komposition jemals zuvor aufgeführt wurde.

Das dreiteilige Quartett von Launis stammt aus seiner Jugend, aber manche Züge, die seinen späteren Stil prägen, sind schon dort zu erkennen. Russische Romantiker, vor allem Tschaikowsky und Rachmaninow, dienten als Vorbilder für viele finnische Komponisten, aber Launis suchte wohl Inspiration bei den deutschen Komponisten wie Richard Strauss und insbesondere Richard Wagner. Die großzügigen langen Phrasen des Klavierquartetts, die spätromantischen chromatischen Harmonien und die theatralische Tonsprache klingen so, als würden sie eine größere Besetzung für ihre Darstellung – ein Orchester und vielleicht überdies Solisten – beanspruchen. Es ist kein Wunder, dass Launis schließlich Opern komponierte.

Besonders in den ersten zwei Sätzen beruht die Komposition hauptsächlich auf einer glänzenden Streichinstrumenttextur. Der Klavierpart der Komposition ist von seiner Natur her eher rhythmisch als virtuos.

Der erste Satz des Klavierquartetts beginnt mit einem machtvollen Rezitativ. Das darauffolgende tiefsinnige erste Thema wird vom Cello vorgestellt, wobei sich Geige und Viola in empfindsamem B-Dur dazugesellen. Im weiteren Verlauf braut sich in den Streichinstrumenten eine chromatische Ekstase zusammen und endet fast wagnerianisch in einer langen, träumerisch singenden Phrase, in der sich alle zentralen Themen noch einmal wiederholen. Danach wird direkt zum wohl originellsten Satz, dem auf Staccato-Material beruhenden Scherzo, übergegangen. In seinem beißenden Sarkasmus scheint es sogar die Tonsprache von Schostakowitsch vorwegzunehmen. Im Trio-Teil in a-Moll verleihen die Akkorde des Klaviers der Textur ein ernsteres ruhiges Moment, das jedoch schnell vom wiederkehrenden Staccato-Rhythmus abgelöst wird.

Der dritte Satz der Komposition, das Finale, steht praktisch in Sonatenform, obwohl das neue Thema in der Durchführung rondo-ähnliche Eigenschaften ausweist. Der Satz ist überraschenderweise im 3/2-Takt geschrieben, obgleich man das Metrum eher als gradtaktig empfindet. Das Finale ist stilistisch nationalromantisch, aber der Komponist hat auf Düsterkeit verzichtet, die für viele finnische Kompositionen in dieser Epoche kennzeichnend war. In den Melodien sind Klänge heiterer finnischer Volkslieder zu hören.

© Terhi Dostal 2008